Die Sache mit den Serien

Es gibt Serien, bei denen hat man Vorurteile. Man hört davon, wie die Serie aufgebaut ist, welche Bestandteile sie hat und welche Charaktere miteinander etwas zu tun haben. Und oft schreckt man eher davon ab, als sich davon zugeneigt zu fühlen.

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So erging es mir mit "The Big Bang Theory". Bei einem Freund hab ich die Serie zum ersten Mal gesehen und fragte mich, was daran bitte so lustig sein sollte- Physiker und andere Naturwissenschaftler, die sich gegenseitig belehren und klugscheißern. Ich konnte damit nichts anfangen und habe die Serie daher lange Zeit gemieden, obwohl ich wusste, dass sie immer besser lief. Doch irgendwann konnte ich mich nicht mehr gegen die Omnipräsenz der Serie wehren- irgendwann lief sich nicht mehr nur Dienstag 22.15 Uhr sondern plötzlich auch nachmittags um halb 3. Zu der Zeit hat meine ältere Schwester immer damit angefangen sich das anzusehen- und ich verstand nicht, wie der Freund von mir, der einer der klügsten Menschen ist, die ich kenne, und meine Schwester denselben Seriengeschmack haben könnten (inzwischen ist das Gleichgewicht wieder hergestellt; sie guckt Beauty and the Beast und er Dexter und Hannibal). Also begann ich es mir ein paar Mal anzuschauen- und blieb hängen. Ich war so begeistert, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu lachen- spätestens als mein Liebling Amy auftrat und sich nach Sheldons Liebe verzehrte, war ich gefangen von der Serie. Bis heute finde ich jede einzelne Szene mit Amy einfach nur göttlich.

Irgendwann fragte sich unsere Mutter, warum wir Sheldon und Raj so witzig fanden- und guckte auch mit, fand es auch megawitzig und hat insbesondere Raj ins Herz geschlossen. Und irgendwann in den Sommerferien, als ich auf dem Sofa rumfläzte und ein Big Bang Marathon lief, saß sich mein Vater neben mich und schaute auch mit. Seitdem sind wir eine glückliche Fernsehfamilie, die sich jeden Nachmittag Big Bang Theory gemeinsam anschaut, fast alle Staffeln auf DVD hat und jeden von der Brillianz der Serie zu überzeugen versucht. Mein Vater ist sogar richtig ungeduldig wegen den neuen Folgen und fragt mich alle paar Tage, wann sie endlich kommen; das ist etwas krank, aber ich finde es schön. Es ist unsere Familientradition geworden, etwas, was uns alle begeistert und glücklich macht.

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Dann wieder gibt es Serien, die du unbedingt sehen willst, da du glaubst, die Serie wäre genau das, was dir gefällt- eine spannende Geschichte, Geheimnisse, Tragik und viele, beinah kitschige Liebesbeziehung, die man shippen kann. So erging es mir mit Revenge und zugegeben die erste Staffel war gut. Nichts Besonderes, aber dank Darstellern wie Madeline Stowe oder Emily VanCamp, von der ich seit Everwood ein großer Fan bin, war ich immer wieder gefangen in der Serie. Das Geheimnis von Emily war immer noch verdeckt und die Machtspielchen von Victoria und Conrad Grayson bereiteten mir immer Gänsehaut und machten Lust auf mehr. Insbesondere die Kombination aus Emily und Nolan war einfach nur großartig und diese Freundschaft sorgte einfach immer für die besten Szenen. Und als dann das Finale der 1. Staffel kam und mit einem gewaltigen Cliffhanger endete, saß ich mit offenem Mund vor dem Fernseher und fragte mich, wie man das übertreffen könnte: Meine Lieblingsfigur Charlotte begeht Selbstmord- , Emily entdeckt, dass ihre Mutter noch lebt-, Victoria könnte bei einem Flugzeugabsturz sterben...

Nun, ja- man konnte es nicht übertreffen. War der Anfang der 2. Staffel noch mit dem Geheimnis um Victorias Weiterleben spannend gestaltet, hat man sich nach und nach in ein erzählerisches Dilemma verrannt. Emily, die in der 1. Staffel stets eiskalt und professionell wirkte, wurde aufgespült von einem 0185- Briten namens Aiden, der ebenfalls ein Hünchen mit der Initiative zu rupfen hatte. Apropos- was ist die Initiative? Die Gruppe, die anscheinend halb USA kontrollierte, wurde so eingeführt, dass man irgendwann nur noch verwirrt von der ganzen Entwicklung war. Nichts schien irgendeinen Sinn mehr zu ergeben, Hauptfiguren wie Charlotte nahmen Statistenrollen ein und langweilten. Die Storylines wirkten uninspiriert, die Liebesbeziehungen belanglos und gefühlslos. Ich mochte irgendwann Fauxmanda, Emilys beste Freundin, mehr als Emily selbst und hab dann aufgehört zu schauen, als sie dann auch ins Gras beißen musste. Die Serie hat sich meiner Meinung nach einfach verrannt und ist damit zu einer großen Enttäuschung für mich geworden- und so wie ich es sehe, hat sich das mit 3. Staffel noch verschlimmert. Ich zumindest werde die Serie mir nicht mehr länger anschauen.

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 Die Sache mit den Serien ist so: Sie werden uns oft als interessant, witzig oder emotionsreich dargestellt und für viele Menschen trifft das sicherlich bei der jeweiligen Serie zu. Aber schlussendlich sollte man sich nicht dem Mainstream-Geschmack unterwerfen und seine Vorurteile immer überdenken- wer weiß, was einem entgehen könnte...

 

Sincerely,

 

 

Lux 

3.1.14 12:48

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